Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit

 

 


Schätzungen, 2004 bis 2014

 

2006 2008

 2010

 2011

 2012

 2013

 2014  2016

 in Tausend

Wohnungslose
(ohne wohnungslose Flüchtlinge)


   248

 223

  246

  258

  284 

  310

  335

 420
wohnungslose Flüchtlinge   bis 2014 nicht erfasst  440

davon:

 

in Mehrpersonenhaushalten

 
 103
 
   91
 
  94
 
  93 
 
  99
 
  94 
 
   96

   130

in Einpersonenhaushalten


 145

  132

   152

 165

  185

 216

  239

   290

darunter:

 

ohne jede Unterkunft auf der Straße

 


   18

  20

  22

  24

  26

  27

  39

   52 


Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V.


Wohnungslosigkeit ist kein frei gewähltes, selbstbestimmtes Schicksal.

Wohnungslosigkeit ist eine der extremsten Folgeerscheinung von Armut und Unterversorgung. Das Leben auf der Straße ist in der Regel nicht die Folge von Leichtfertigkeit  oder unwirtschaftlichem Verhalten, sondern Endprodukt eines Prozesses der Verarmung.

Nach der Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ist wohnungslos, wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt.

 Zu den von Wohnungslosigkeit Betroffenen zählen Personen,  

 -  die aufgrund ordnungsrechtlicher Maßnahmen ohne Mietvertrag, das heißt lediglich mit Nutzungsverträgen in Wohnraum eingewiesen oder in Notunterkünften untergebracht werden.
-  die sich in Heimen, Anstalten, Notübernachtungen, Asylen oder Frauenhäusern aufhalten, weil keine Wohnung zur Verfügung steht.
-  die als Selbstzahler in Billigpensionen leben.
-  die bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend unterkommen.
-  die ohne jegliche Unterkunft sind, also auf der Straße leben.
-  die als Flüchtlinge anerkannt sind, aber noch keinen Mietwohnraum finden konnten und in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind

- die als EU Bürger auf der Suche nach Arbeit in deutschen Metropolen gestrandet und hier stark von "Straßenobdachlosigkeit" betroffen sind.     

Von Wohnungslosigkeit bedroht ist,

-  wem der Verlust der derzeitigen Wohnung unmittelbar bevorsteht wegen Kündigung des Vermieters/der Vermieterin, einer Räumungsklage (auch mit nicht vollstrecktem Räumungstitel) oder einer Zwangsräumung.
-  wem der Verlust der derzeitigen Wohnung aus sonstigen zwingenden Gründen unmittelbar bevorsteht (zum Beispiel aufgrund von eskalierten sozialen Konflikten, Gewalt geprägten Lebensumständen oder wegen Abbruch des Hauses).

Da immer noch keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung auf gesetzlicher Grundlage existiert, obwohl diese seit Jahren von den Fachverbänden eingefordert wird, ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Wohnungslosenhilfe  bei der Erhebung der Zahlen von Wohnungslosigkeit auf Datenmaterial der Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und auf Schätzungen angewiesen.

Nach über zehn Jahren rückläufiger Entwicklung ist die Gesamtzahl der in Deutschland wohnungslos gewordenen Menschen seit 2009 wieder deutlich gestiegen (2016 ca. 860.000 Menschen). Thomas Specht, Geschäftsführer der BAG Wohnungslosenhilfe, prognostiziert einen weiteren Anstieg der Wohnungslosenzahlen um 40 % auf knapp 1,2 Millionen bis zum Jahr 2018, da in den Vorjahren weder nachhaltige noch ausreichende Maßnahmen zur Verbesserung der wohnungs- und sozialpolitischen Rahmenbedingungen und zur Wohnungsversorgung aller Wohnungslosen eingeleitet worden sind.

Die Zahl der Menschen, die "Platte machen", die also ohne jede Unterkunft auf der Straße leben, stieg seit 2014 von ca. 39.000 auf ca. 52.000 in 2016.

Als maßgebliche Faktoren für den dramatischen Anstieg der Wohnungslosigkeit werden von der BAG W genannt:

- das extreme Anziehen der Mietpreise, insbesondere in den Ballungsgebieten aufgrund des Wohnungsmangels

- die seit Jahrzehnten verfehlte Wohnungspolitik in Deutschland

- die verstärkte Zunahme der Verarmung der unteren Einkommensgruppen bei gleichzeitigem Fehlen preiswerter Wohnungen, die die Angemessenheitskriterien für Sozialleistungsempfänger/-innen erfüllen (z.B. in der Stadt Hameln 1-Personen-Haushalt max. 50 m²/400,- € Warmmiete)

- der ständig schrumpfende Bestand an sozialen Wohnungen, dem nicht durch Neubau und soziale Wohnungspolitik gegengesteuert wurde (seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen um 60% gesunken)

- der Verkauf eigener Wohnungsbestände von Kommunen, Ländern und Bund an private Investoren

- sowie der fehlende Ausbau der Prävention in Landkreisen und Kommunen

Die Krise auf den Wohnungsmärkten hat ebenfalls zu einer Krise in der ordnungsrechtlichen Unterbringung von Obdachlosen geführt, da wohnungslose Menschen auf dem Wohnungsmarkt chancenlos sind und in den kommunalen Unterkünften festsitzen.